Streifen
[Startseite] [Rittergut Morp] [Pfarrkirche] [Bergisches Nizza] [40 J. Erkrath] [Kirchstraße]

Auch hier ein interessanter Artikel aus der Festschrift der
Düsseldorfer Nachrichten Sonderbeilage vom 26.6.1966.


Erkrath im Jahr 1966

Das "Bergische Nizza"
Erkrath, die Lunge Düsseldorfs

Ein "Bergisches Nizza" nannte man noch zu Beginn dieses Jahrhunderts (Anmerkung:letztes Jahrhundert) das damals kleine Erkrath im Schatten von Düsseldorf. Man pries es als Sommerfrische und Villenvorort von „Groß-Düsseldorf“, und der Verkehr-und Verschönerungsverein lobte es als Ruhesitz für Rentner und pensionierte Beamte. Der Hymnus kulminierte in den Worten: Erkrath, die Lunge Düsseldorfs.

Gewiß mag man heute von einem Nizza mit seinem mondänen Reichtum andere Vorstellungen haben. Als Lunge einer Großstadt bezeichnet zu werden wird für unsere jetzigen Begriffe auch nicht mehr allzu schmeichelhaft erscheinen. Und doch hat sich Erkrath bis auf den heutigen Tag seine landschaftlichen Reize bewahrt, die sich auch nach seiner Erhebung zur Stadt nicht allzu schnell ausmerzen lassen werden.

Allerdings: Die Zeiten da Erkrath als ein bekannter Kurort galt, der von Gicht und Rheumakranken besucht wird, sind endgültig vorbei. Noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts baute man ein großes Kurhaus , dessen Gebäude auf der Bahnstrasse Nummer 18 auch heute noch besteht. Liegehalle, Badehäuschen und einige Badeteiche lagen im Kurpark. Die Heilquelle versiegte jedoch um 1870, und mit der Herrlichkeit dieses Kurbetriebes war es ein für all mal aus. Heute steht an an der Stelle der ehemaligen Heilquelle das Rathaus.

Doch auch ohne Heilquelle und ohne den hymnischen Gesang eines Verschönerungsvereins zeigt Erkrath heute noch den Einheimischen wie dem Besucher freiwillig seinen Zauber: die bewaldeten Höhen, die sich von Erkrath nach Gerresheim hinziehen, das immer noch lieblich anmutende Tal der Düsse, die Wiesen und das Ackerland, , die wie eh und je miteinander abwechseln. Auch das Klima in diesem letzten Zipfel des Bergischen Landes mutet mild an.

Dem „Bergischen Nizza“ wie man auch heute noch Erkrath scherzhaft nennt, steht Unterbach entgegen, das man dann als „Rheinische Riviera“ bezeichnen müsste. Allerdings sah es nicht immer so herrlich aus in diesem südlich von Erkrath gelegenem Gebiet. Der Ostrand der Niederterrasse ist nämlich durch feuchte , sandig lehmige Böden mit hohem Grundwasserstand gekennzeichnet, der zu Niedermoorbildung geführt hat.

Ein großer Sumpf mit Schilf und Binsen zog sich einst vom Eselsbach bis nach Unternabch und von Bruchhausen bis über den Kickweg. Das war das Unterbacher Moor. Einziger Nutzen dieser Moorerde: es wurde als Brennerde gestochen. Die Nachteile jedoch überwogen: ein feuchtes , ungesundes Klima, dicke Nebelschwaden in den kälteren Jahreszeiten, Grippe und Lungenentzündung der Bewohner.

Erst in diesem Jahrhundert legte man das Gebiet durch Gräben trocken, schaffte den Bendensee, und inzwischen ,seit alles Hässliche beseitigt ist, erhebt sich die „Volkserholungsstätte Unterbacher See“ als eine herrliche Anlage, die Bade-und Sonnenhungrigen aus der näheren und weiteren Umgebung empfängt. Strandbäder erstrecken sich an den Ufern des ehemaligen Baggerlochs, Vampingplätze nehmen Zelte und Wohnwagen auf, ein Bootshaus beherbergt die Boote der Segler, Paddler und Ruderer. Angelstege sind angelegt. Die Umgebung des Sees ist aufgeforstet, ein Zusammenhang mit dem Eller Forst angestrebt. Die Seeufer wurden ausgebaut und mit geeignetem Pflanzenwuchs befestigt.

Leider verliert jedoch auch diese Idylle besonders im Hochsommer ihre Schönheit, wenn die ruhebedürftigen Städter der Umgebung alle das gleiche Ziel vor Augen haben und nun Seite an Seite wie die Heringe nebeneinander liegen. Statt die erwartete Ruhe zu genießen, muß man sich dann über einen garstigen Nachbarn ärgern, der einem den ersehnten Platz geraubt hat.

Und dennoch, im Vergleich mit anderen gemeinden und Städten des Landkreises Düsseldorf-Mettmann lässt sich auch heute noch der Verkehrs- und Verschönerungsverein von 1914 zitieren: Dieser Bezirk Erkrath „liegt unstreitig in dem landschaftlich schönsten Teile der Umgebung von Düsseldorf“. Das Klima ist auch heute noch relativ gut, wenn auch die Idylle der einsetzenden Industrie an vielen Punkten weichen musste.




Bilder:

1) Altes Kurhaus
2) Rathaus
3) Alte Ansichtskarte Erkrath-Unterbach

Altes Kurhaus
Rathaus3
AK Erkrath - Unterbach
nachoben_rot