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Die Nacht zum Tag gemacht


250 Gäste und ein pompöses Buffet im Neanderhaus:
Erkrath ist eine Stadt geworden und die ließ sich nicht lumpen. Es war eine Zeit des Aufbruchs: Kindergärten, Schulen und Spielplätze für all die Familien, die sich ansiedeln wollten, mussten her. (Fotos: Stadtarchiv)bildanzeigeRegen am Vortag der Feier: Gertrud Küppers (Mitte) und Albert Peters (rechts) inmitten der zu Städtern ernannten Erkrather."Frau Bürgermeister" Gertrud Küpper und Stadtdirektor Albert Peters freuen sich über den Erfolg ihrer gemeinsamen Arbeit.

GEBURTSTAG / Mit üppigen Expansionsplänen im Kopf feierten Erkrather am 28. Juni 1966 den Abschied vom Dorf.

ERKRATH. Sparen, knausern, mit Rotstift und viel Mühe den Haushalt über die Bühne bringen, Grundschulen zusammenlegen und Kirchenimmobilien verkaufen: Erkrath anno 2006. Im Geburtsjahr war alles anders. Am 28. Juni 1966 wurde das Dorf an der Düssel zur Stadt. Zwei Tage lang feierte das offizielle Erkrath - die Einwohner machten die Nacht zum Tag. Stolz waren sie, die seinerzeit 15 300 Erkrather. Mit Blasmusik, großem Zapfenstreich und Feuerwerk verabschiedeten sie sich am Vortag vom Dorfleben. Bloß der Fackelzug fiel ins Wasser: Es regnete in Strömen.

Rosige Zukunft

40 Jahre, das zählt nicht als rundes Jubiläum, offizielle Feiern wird es dazu nicht geben. Doch Stadtarchivarin Erika Stubenhöfer hat sich die Mühe gemacht, einen Blick auf die Anfänge zu werfen - die junge Stadt blickte in eine rosige Zukunft. Während Bürgermeister Arno Werner heute darum bemüht ist, junge Familien in die Stadt zu locken, wurden die damalige "Frau Bürgermeister" Gertrud Küpper und Gemeindedirektor Albert Peters von Neubürgern geradezu bedrängt. Ende des Krieges zählte Erkrath 7300 Köpfe, Menschen aus den zerbombten Großstädten kamen her, auch zahlreiche Vertriebene. Die Bemühungen Peters, Industrie ins Dorf zu holen, hatten außerdem Früchte getragen: Immer mehr Arbeiter und Fachkräfte siedelten sich in Erkrath an. Sie brauchten Wohnraum, Schulen, öffentliche Gebäude - eine Entwicklung, die auch in Unterbach einen Boom auslöste.
Vier Volksschulen führt Erkrath in seinem Antrag auf die Stadtrechte an, vier Kirchen, ein neues moderns Sparkassengebäude, zwei Postämter, zwei Bahnhöfe. Mehr als 3500 Menschen arbeiteten in der Industrie, 431 verdienten im Handel ihre Brötchen. Volksbücherei und die Sportanlagen waren überlaufen. Am 28. Juni 1966, dem großen Tag, wurde der Grundstein für die Volksschule Feldstraße gelegt, heute Falkenstraße. Und beim folgenden Festakt im Joachim-Neander-Haus schwebte den rund 250 geladenen Gästen Großes vor - die Prominenz der Region war dort. Eine weitere Volksschule sollte her, eine Sonder- und eine Realschule. Und wo Erkrath nun wirklich Stadt war, musste selbstverständlich eine Stadthalle her. Friedhöfe mussten ausgebaut werden, die Straßen und vor allem die Spielplätze, die heute wieder abgebaut werden.

1966 war kein Jahr zum Kleckern, es wurde geklotzt. Der 28. Juni wurde ein Feiertag: Das Rathaus hatte geschlossen, die Schüler hatten frei. Außerdem gab es ein Sonderpostamt im Rathaus, ein Sonderstempel wurde herausgegeben. 40 Jahre später wird es wieder ein Sonderpostamt geben, aus Anlass des 150 Jahre alten Neanderthaler-Fundes. Der Stempel trägt den Schriftzug : "Schon für den Neanderthaler war Erkrath eine besondere Wohnlage."



14.06.2006  - SUSANNE ZIMMERMANN - NRZ

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